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REISEBLOG
Sie schreiben über das schönste Hobby der Welt und das fast täglich: die Reiseblogger. Diesmal trafen wir Markus Steiner
Reisepoesie auf www.weltreisender.in
Markus Steiner, 38, arbeitete Vollzeit im Büro. Seine Firma zog immer mehr große Kunden an Land. Als facebook dazu kam, stieg Markus aus.
Seitdem bloggt der Wahl-Münchener über seine Reisen.
14 Monate am Stück bereiste er die Welt. Nun geht es ein ganz klein wenig ruhiger zu in seinem Leben, den 'travel bug' wird er trotzdem nicht mehr los. Von seinen Abenteuern berichtet Markus Steiner auf seiner eigenen Website und schreibt seit Anfang des Jahres auch als fester Autor für die Reisedepeschen von Grimme Online Award-Gewinner Johannes Klaus.
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Stell Dich bitte einmal kurz vor!

Mein Name ist Markus, ich bin 38 Jahre und Autor des Reiseblogs „Weltreisender in...“. Ich habe 2011 meinen Bürojob gekündigt und reise seitdem. Auf meiner Reise bin ich zum Mount Everest gewandert, in Japan ohne Geld getrampt, habe in Thailand in einem Kloster meditiert, in Kambodscha Waisenkinder unterrichtet, durchquerte den australischen Kontinent mit dem Zug, lebte in Jerusalem in einem Orden, bin in Tel Aviv im Meer geschwommen, habe in Singapur in einer Garküche mitgekocht und auf einer Couch gesurft.

Wie lange bloggst Du schon und wie bist Du dazu gekommen? Warum bloggst Du?
Meinen ersten Reiseblog habe ich 2002 geschrieben. Damals lebte ich gemeinsam mit Australiern in einem Haus in Sydney und habe die Geschichten aufgeschrieben, die wir erlebt haben. Dann habe ich eine ganze Zeit privat gebloggt. Alltagsbeobachtungen. Ich habe über alles geschrieben, was mir so auffiel und mir irgendwie skurril vorkam. Da gibt es eine ganze Menge Stoff. 2011 – zu Beginn meiner Weltreise – startete dann „Weltreisender in...“. Ganz klassisch als eine Art Tagebuch mit Geschichten von unterwegs. Mir war allerdings von Anfang an klar, dass ich nicht darüber berichten wollte, wo es das beste Thai-Curry gibt oder wo der schönste Sonnenschirm rumsteht. Sehenswürdigkeiten, schicke Hotels und Katalogstrände interessieren mich nicht. Ich bin vermutlich der schlechteste Reiseführer der Welt. Mich haben die Menschen, ihre Geschichten interessiert und wie es sich anfühlt, in ihrem Land zu leben. Mich fasziniert das Fremde, das Andere, das, was man nicht auf einen Klick im Internet bekommt.

Wie bist Du auf den Namen Deines Blogs gekommen?
Weltreisender in Punkt, Punkt, Punkt bedeutet: Reise-Geschichten über die Menschen, die ich in der Welt besuche und unterwegs treffe und wie es ist, ohne Besitz, Haus und Pläne als Weltbürger nonstop durch die Welt zu reisen. Und wie schrecklich schön diese Welt ist.

Wie oft bist Du unterwegs?
So oft es geht. Wenn man allerdings 14 Monate am Stück durch 14 Länder reist, wie ich es gerade gemacht habe, braucht man mal eine Pause. Weil man blind, taub und müde wird. Dann tut eine gewisse Routine und Ruhe gut und das Wissen, dass man die vergangene Reise ganz ordentlich überlebt hat. Und auch, dass man seine Grenzen wieder verrückt hat. Ich bin allerdings ein Pendel. Und ich schwinge ständig zwischen Heimweh und Wanderlust.

Wo bist Du gerade und warum bist Du dort?
In München. Weil es hier eine fantastische Bergwelt gibt. Und Biergärten natürlich. Im Moment bieten sie hier sogar passend dazu so was wie „Sommer“ an.

Was ist Dir wichtig auf Reisen?
Ich habe Hunger darauf, die Welt zu entdecken. Ohne irgendeinen Plan, nur nach dem Gefühl reisen, wo immer mich das hintreibt. Ich hörte einmal: „Das Leben ist nicht die Zahl unserer Atemzüge, es sind die Momente, die uns den Atem rauben.“ Es geht um Abenteuer, darum, die Vielfalt zu entdecken, Menschen zu treffen und von ihrem Leben zu kosten, um sehen und verstehen.

Was war Dein erster Trip?
Der erste richtige Trip war wohl ein Interrail-Trip durch Europa. Gibt es Interrail noch? Ich habe mich 1998 mit dem Rucksack und einem Zelt an die Bushaltestelle gestellt, bin zum Bahnhof gefahren und habe ein Ticket gekauft. Dann habe ich nachgesehen, wohin der nächste Zug fährt. Das war ein Regionalexpress nach Amsterdam. Ich liebe Bahnfahren. Es gibt dann keinen Grund mehr, jemals irgendwo anzukommen. Man kann sitzen, im Moment verweilen und beobachten und doch ist alles ständig in Bewegung. Man verdoppelt seine Reise, während draußen immer neue Landschaft vorbeischießt. Für einen Backpacker und Reiseautor ist das ein ziemlich gutes Preis-Leistungsverhältnis!

Wo warst Du schon öfter und warum?
Australien, hier habe ich einmal gelebt. Ich komme aber auch immer wieder nach Thailand zurück. Die Leichtigkeit und Schönheit des Landes fasziniert mich. In beiden Ländern fühle ich mich wohl. Das beste Thai-Curry gibt es übrigens auf der Insel Koh Tao.

Was magst Du am meisten am Reisen?
Ich lerne jedesmal unglaublich viel. Vor allem über mich. Man befeuert seine Sinne und lernt das Leben neu. Alles auf Anfang.

Was nimmst Du für Dich persönlich mit von Deinen Reisen?
Dass es eine aufregende Vielfalt im Leben gibt, alles möglich ist und man keine Erlaubnis braucht, um sein eigenes Leben zu leben. Leider auch, dass wir in Deutschland so unglaublich viel Reichtum und Komplexität angesammelt haben, dass wir die einfachen Dinge im Leben gar nicht mehr wahrnehmen und empfinden können. 4 Milliarden Menschen leben von weniger als 4 Dollar pro Tag. Einige dieser Menschen trifft man unterwegs und nimmt sie mit.

Hast Du manchmal auch Angst?
Vorm Reisen? Nein. Wovor sollte ich da Angst haben? Dann hätte ich ja Angst vor dem Leben. In Thailand war ich allerdings mal zum Klettern. Meine Lebensversicherung waren ein Seil für 9 Euro 90 und ein kiffender Rasta-Thai, der mich unten sicherte. Ich gebe zu, ich habe nicht nur die Aussicht in 30 Metern Höhe genossen, sondern mich auch mit der Frage beschäftigt, ob jetzt nicht doch Sorge angezeigt sei.

Was würdest Du noch einmal bzw. nie wieder machen?
Alles kommt, wie es kommt. Aber ich lade alles was da ist, herzlich in mein Leben ein. Warum denn nicht? Worauf denn warten?

Gibt es etwas, was Du immer schon mal machen wolltest?
Die Liste ist lang. Wie viel Zeit haben wir denn da? Es ist allerdings spannende Arbeit da, die wartet. Ein Buchprojekt zur Reise zum Beispiel und natürlich weitere Reisen. Ich möchte im nächsten Jahr nach Südamerika reisen und auf dem Weg dorthin in Afrika ein soziales Start-Up Projekt aufbauen. 

Wenn Du Dich jetzt einfach irgendwo hin beamen könntest – wohin wäre das?
Von Richard Branson habe ich gelesen, dass er bald Flüge zum Mond anbieten will. Wenn das bitte einmal ginge... Aber nur, wenn auf dem Flug auch Tomatensaft serviert wird.

Drei Sachen, die man auf Reisen nicht vergessen sollte.
Nichts zu erwarten, Einheimische auch abseits der Hotel-Rezeption zu treffen und soviel zu lernen wie reingeht.

Gibt es etwas, was Du immer mit nimmst?
Seidenschlafsack, Ingwer, Tiger Balm und Coca-Tee, gegen die Höhenkrankheit und den schlechten Teegeschmack in Hostels (Lipton Tea).

Das Unglaublichste/Beste/Schrägste, was Dir auf Reisen passiert ist, bitte!
Superlative sind immer so eine Sache. Ich glaube die gibt es gar nicht. Jeder Moment, der da ist, ist unglaublich. Ich meine das Beste ist, Reisen zu gehen und selbst nachzusehen, statt zu fragen. Dann fließt alles von selbst.

Was würdest Du einem Freund empfehlen, wenn er/sie auf Weltreise geht?
Manche reisen so schnell, die haben nicht mal Zeit für einen Jetlag. Langsam reisen. Treiben lassen. Vertrauen haben. Leben.

Was macht Deiner Meinung nach einen guten Blog aus?
Da denke ich, es ist wie mit allem: Entweder es berührt, es bewegt mich, oder nicht.

Welche Tipps gibst Du Menschen, die auch Blogger werden möchten?
Ich bin in erster Linie Schreiber. Da hilft eine Leidenschaft für das Schreiben und Sprache.

Vielen Dank für das Interview, lieber Markus!

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